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Kunst- und Fotoverein Grimma e.V.

(hervorgegangen aus dem Fotoklub Grimma)

 

 

Als sich im Mai 1964 der Fotoklub Grimma gründete, ahnte wohl noch keiner, dass dieser Verein eine große Zukunft vor sich hatte. Gründungsmitglied war der Leiter des Kulturhauses Grimma, der damals 24-jahrige Gerhard Weber. Der gebürtige Berliner ist bis heute dem Verein treu geblieben, steht ihm von Anfang an als künstlerischer Leiter vor. Gerhard Weber (AFIAP), der zum Diplomfotografen und Fotodesigner avancierte, prägte all die Jahre lang die Arbeit des Fotoklubs. Schon die erste Ausstellung des damals noch jungen Fotoklubs hatte beachtliches Niveau. Erste größere Aktion der “Kreisarbeitsgemeinschaft Fotografie”, wie sie sich nannte, war ein Foto-Cocktail am 11. Juli 1964. Gesucht war das “Fräulein Titelbild”! “Nichts anderes als die heutigen Miss-Wahlen”, erinnert sich Weber. “Doch das durften wir nicht sagen, wäre ja imperialistische Propaganda gewesen und hätte unser Aus bedeuten können.” Wichtig waren den Vereinsmitgliedern nicht nur gute Fotos und Ausstellungen. Auch das gemütliche Beisammensein sollte nicht zu kurz kommen. Besonders die Zusammenarbeit zwischen Fotoklub und der Heimatzeitung Rundblick hebt Weber immer wieder hervor.

 

“Wir waren ein tolles Team und haben uns auch gut ergänzt.”


Der Rundblick konnte gute Fotos veröffentlichen, und wir hatten immer beste Präsentationsmöglichkeiten. 1972 wurde der Klub als “hervorragendes Volkskunstkollektiv” ausgezeichnet. Zahlreiche Episoden in den 1970er Jahren machten diese Zeit für die damaligen Mitglieder unvergesslich: der erste Fernsehauftritt des Fotoklubs in der Serie “Greif zur Kamera” beispielsweise oder die Fahrt im überfüllten Liegewagen nach Krakow zu einer damals weltberühmten Aktfotoausstellung. Später folgte die Ausstellung zum 30. Jahrestag der DDR. Thema: “Genossen”. “Eine gelogene bildnerische Schönheit, für die wir uns heute schämen sollten”, sagte Weber rückblickend. “Obwohl die Fotos technisch perfekt waren, zeigten sie nicht die Wahrheit, sondern waren dem Tenor, die Partei hat immer Recht, untergeordnet.”

“In den 1960er Jahren”, stellt Weber heute fest, “haben wir brave Amateurfotografie betrieben. In den 70er Jahren hingegen sind wir alle der Agitationsfotografie verfallen. In der 80er Jahren änderten wir dann unseren Stil. Wir fingen an, Fotos von der Realität im Sozialismus zu machen und nicht die geforderte Schönmalerei.” Beeindruckende Arbeiten entstanden. “Die Dorfgeschichte von Dürrweitzschen” zum Beispiel, wo man versuchte, alle Dorfbewohner auf ein Bild zu bekommen. Die Dürrweitzschen-Ausstellung bekam bei den Arbeiterfestspielen eine Goldmedaille.

Mitte der 1980er Jahre gab es eine Trendwende im Verein. Die progressiven Fotografen taten sich zusammen. Man begann die ernüchternde Wirklichkeit der DDR im Bild festzuhalten. Als Pendant zu den Malchower Farbdiatagen konnte der Fotoklub Grimma vier erfolgreiche Colditzer Farbdiatage verwirklichen.

Im September 1990 stellte das Kulturhaus Grimma seine Arbeit ein. Damit war auch die Tätigkeit des Fotoklubs beendet. Doch einige verbliebene Mitglieder gründeten bereits am 21. September den heutigen Kunst- und Fotoverein Grimma e.V. Das war allerdings nur möglich durch die Zusammenlegung des früheren Zeichenzirkels Grimma und des Fotoklubs Grimma, weil eine Mindestanzahl an Mitgliedern zur Gründung eines Vereins nach neuem (jetzt) bundesdeutschem Recht erforderlich war.

Erst 1993 kam endlich wieder eine neue Ausstellung in die Öffentlichkeit.

Gegenwärtig füllen 28 Fotografinnen und Fotografen zwischen 29 und 76 Jahren die Mitgliederliste. Jeden letzten Donnerstag im Monat Treffen sie sich ab 19 Uhr im "Mehrgenerationenhaus Grimma" am Nicolaiplatz 5. Auch die Aktivitäten und öffentlichen Präsentationen nahmen ab Mitte der 90er Jahre wieder zu.

 

Neben zahlreichen Personalausstellungen sind hier besonders vier Akt-Workshops und die Arbeit an der Fotoausstellung “Leben im PEP” (Einkaufscenter) zu nennen. Mit der Sparkasse Muldental fand der Fotoverein Grimma zudem einen Partner, der größere Projekte möglich machte. Die Muldental-Fotoschau wurde geboren. Mittlerweile sind zehn Veranstaltungen dieser Art mit hohen Teilnehmerzahlen zu einer festen Größe in der Kulturlandschaft des Muldentalkreises geworden. Größtes Vorhaben der Mitglieder des Fotovereins, die nicht nur aus der Kreisstadt Grimma, sondern auch aus Colditz, Hartha, Leipzig, Naunhof, Riesa und Wurzen kommen, sind aber die Colditzer Farbdiatage, nunmehr als Sächsische Farbdiatage bezeichnet. Nach dem erfolgreichen Comeback im Oktober 1999 sollte diese Tradition fortgesetzt werden. Im Oktober 2001 gab es eine weitere Veranstaltung, die erstmals nach der Wende wieder über zwei Tage ablief. Mit fast 60 Teilnehmern aus drei Bundesländern und Berlin waren die Gastgeber durchaus zufrieden. Die Sächsischen Farbdiatage 2003 fanden dann erstmals mit Unterstützung durch den Deutschen Verband für Fotografie (DVF) in Colditz statt. Nun nahmen schon fast 90 Fotofreunde daran teil. Erstmalig auch Fotografen aus westlichen Bundesländern. Auch die Farbdiatage 2005 und 2007 fanden bei den Fotofreunden aus ganz Deutschland nochmal großen Zuspruch. Dennoch machte sich deutlich bemerkbar, dass die Digitalfotografie auf dem Vormarsch ist und immer weniger Hobbyfotografen analog arbeiten und somit auch kaum noch Diafilme belichtet werden. Deshalb entschlossen wir uns, die Sächsischen Farbdiatage mit der Veranstaltung im Oktober 2007 aus dem Programm zu nehmen. Es sollte aber weiterhin in dem bekannten zweijährigen Wechselmodus Sächsische Fototage auf Schloss Colditz geben. Und so haben wir im Oktober 2009 unser Tradition fortgesetzt und erneut zehn Fotovereine als Gäste begrüßen können. Und auch im Oktober 2011 fand diese sachsenweit wohl größte Fotoveranstaltung wieder auf Schloss Colditz statt. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens vom Arbeitskreis Fotografie wurden die nächsten Sächsischen Fototage ins Jubiläumsjahr 2014 verlegt. Erstmalig im Frühjahr beteiligten sich Ende April 2014 immerhin 15 Fotovereine mit ihren Wettbewerbskollektionen, und etwa 100 Teilnehmer kamen auf Schloss Colditz bzw. zum Ausflug ins Deutsche Fotomuseum nach Markkleeberg.

Einen Monat später bekamen wir zudem den Heimatpreis des Landkreises Leipzig und der Leipziger Volkszeitung als Anerkennung für unsere langjähriges künstlerisches Engagement für alle Muldentaler Kunst- und Fotografieinteressierten. Als krönender Abschluss unseres 50. Vereinsjubiläums haben wir in der Klosterkirche Grimma eine überdimensionale Lichtinstallation in Form eines Mosaikfotos geschaffen. Dieses Light-Art-Picture wird über mehrere Jahre an die beiden Hochwasserkatastrophen von 2002 und 2013 in Grimma erinnern, weil es aus über 1000 Porträtfotos von damaligen Helfern besteht.

 

Thomas Kube

Künstlerischer Leiter seit 2004

 

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